Perseiden 2026 in Kapfenberg: warum jetzt noch nicht Schluss ist
In der Nacht auf den 13. August standen in halb Europa Leute mit Decken auf Wiesen, und wer in Kapfenberg dabei war, hat wahrscheinlich mehr gesehen als in den fünf Jahren davor zusammen. Am nächsten Morgen war das Thema in den Nachrichten erledigt, und damit auch für die meisten Menschen. Genau das ist der Fehler, denn der Meteorstrom hört nicht an dem Tag auf, an dem die Zeitungen aufhören, darüber zu schreiben.
Sternschnuppen gibt es über Kapfenberg auch jetzt noch, denn die Perseiden sind bis etwa 24. August aktiv. Sie sind schwächer als in der Maximumsnacht, aber sie sind da, und in mancher Hinsicht sind die Nächte danach sogar angenehmer.
Wie viel ist nach dem Maximum wirklich noch drin?
Die oft zitierte Zahl von bis zu hundert Meteoren pro Stunde ist ein theoretischer Idealwert, der einen Radianten im Zenit und einen perfekt dunklen Himmel voraussetzt. Realistisch waren in der Maximumsnacht unter einem dunklen Landhimmel eher fünfzig bis sechzig Sternschnuppen pro Stunde zu sehen, am Stadtrand zwanzig bis dreißig.
In den Nächten rund um das Maximum liegt die Rate bei etwa zehn bis dreißig pro Stunde, und ab Mitte August nimmt der Strom dann spürbar ab. Zehn pro Stunde klingt nach wenig. In der Praxis heißt es, dass man in einer ruhigen Stunde auf einer Decke alle paar Minuten etwas sieht, und das reicht vollkommen für einen Abend, an dem man ohnehin nicht ins Bett will.
Warum die Nächte nach dem Maximum leichter zu planen sind
Am 12. August war Neumond, deshalb waren die Bedingungen so außergewöhnlich gut. Seither wächst der Mond wieder, was zunächst nach einer schlechten Nachricht klingt.
Ist es aber nur halb. Ein zunehmender Mond in dieser Phase steht am Abend im Westen und geht früh unter, und nach seinem Untergang ist der Himmel wieder dunkel. Da die beste Beobachtungszeit ohnehin nach Mitternacht liegt, verlieren wir in diesen Nächten weniger, als man denkt. Man muss nur später hinaus als am 12. August, und man sollte vorher nachsehen, wann der Mond tatsächlich untergeht.
Wann genau schauen wir hinauf?

Vor Mitternacht sieht man wenig, und das hat einen simplen Grund. Der Radiant im Sternbild Perseus steht am frühen Abend noch tief, und unsere Seite der Erde dreht sich erst in den Morgenstunden mit der Vorderseite in den Teilchenstrom hinein. Die Rate steigt deshalb jede Nacht bis zur Dämmerung an.
Praktisch heißt das: zwischen 23:00 Uhr und etwa 04:00 Uhr, mit dem besten Fenster nach ein Uhr. Wer nur eine halbe Stunde Zeit hat, nimmt lieber halb drei als halb elf.
Geschaut wird Richtung Nordosten, dort steht Perseus in der Nähe der auffälligeren Kassiopeia. Sehen kann man die Meteore aber überall am Himmel, weshalb das Suchen nach dem Sternbild eher der Orientierung dient als der Beobachtung. Legen Sie sich hin und nehmen Sie so viel Himmel wie möglich ins Blickfeld, statt in eine Richtung zu starren.
Wo in und um Kapfenberg ist es dunkel genug?
Das Rennfeld auf 1.628 Metern ist der dunkelste leicht erreichbare Punkt der Umgebung, mit dem Auto über die Rennfeld-Straße erreichbar und weit genug weg von den Lichtern im Tal. Wer dort oben eine klare Nacht erwischt, sieht auch die Milchstraße ohne Mühe.
Die Burg Oberkapfenberg liegt hoch genug, um dem Streulicht des Stadtzentrums zu entkommen, und ist von der Stadt aus in wenigen Minuten erreichbar, was sie zur naheliegenden Lösung für alle macht, die nicht eine Stunde fahren wollen. Der Keltenweg-Aussichtspunkt auf rund 700 Metern hat einen offenen Horizont und ist in etwa zwanzig Minuten zu Fuß erreichbar, was mit Kindern besser funktioniert als eine Bergstraße bei Nacht.
Für alles gilt dieselbe Regel: offene Kuppen, Felder und freie Flächen sind besser als enge Waldschneisen, weil man dort mehr Himmel gleichzeitig sieht.
Was nehmen wir mit?
Ein Teleskop nicht, und ein Fernglas auch nicht, beides schränkt das Blickfeld genau dort ein, wo man es breit braucht. Sinnvoll sind eine Decke oder eine Liege, weil ein nach oben gebogener Nacken nach zwanzig Minuten unangenehm wird, warme Kleidung auch im August, weil es auf 1.600 Metern nachts empfindlich kühl wird, und etwas zu trinken.
Und dann die Sache, die den größten Unterschied macht und nichts kostet: zwanzig bis dreißig Minuten ohne Handydisplay und ohne Taschenlampe. Die Augen brauchen diese Zeit, um sich anzupassen, und ein einziger Blick auf einen hellen Bildschirm setzt den Prozess weitgehend zurück. Wer das nicht durchhält, sieht ungefähr die Hälfte dessen, was am Himmel tatsächlich passiert.
Meteore kommen außerdem in Schüben. Es kann zehn Minuten lang nichts geschehen und dann dreimal kurz hintereinander, weshalb Geduld hier keine Tugend ist, sondern schlicht Voraussetzung.
Bis wann lohnt es sich heuer noch?
Ehrlich gesagt bis etwa zum 20. August, danach wird es dünn. Der Strom läuft zwar formal bis 24. August, aber die letzten Nächte bringen nur noch einzelne Meteore, und dafür stellt sich niemand um zwei Uhr früh einen Wecker.
Wer also in dieser oder der nächsten Woche eine klare Nacht sieht, sollte sie nehmen statt zu warten. Das nächste brauchbare Fenster im Jahr sind die Geminiden im Dezember, und die schaut man bei minus fünf Grad statt in kurzen Ärmeln auf einer Wiese.
Und wenn der Himmel zu ist?
Das kommt in diesen Tagen durchaus vor, denn das Wetter in der Obersteiermark ist gerade unbeständig, mit Schauern und zwischendurch längeren sonnigen Abschnitten. Bewölkung von unten wegdiskutieren funktioniert nicht.
Dann verschiebt man einfach. Der Strom läuft noch gut eine Woche, und eine klare Nacht am 20. August bringt mehr als eine bedeckte am 15. Für den Abend selbst bleibt genug übrig: die Rettenwandhöhle führt an Sonn- und Feiertagen von 9:00 bis 16:00 Uhr, das Dieselkino am Lindenplatz spielt bis nach 21:00 Uhr, und auf der Burg fliegen die Greifvögel von Mittwoch bis Sonntag um 11:00 und 15:00 Uhr.
Wer es heuer verpasst, wartet nicht ewig. Die Perseiden kommen jedes Jahr wieder, nur trifft das Maximum nicht jedes Jahr auf Neumond, und diese Kombination war 2026 der eigentliche Grund, warum so viele Leute überhaupt hinausgegangen sind.
Thomas Wagner schreibt über Tourismus, Freizeit und regionale Themen in der Steiermark. Er kennt Kapfenberg und die umliegende Region seit vielen Jahren aus eigener Erfahrung — als Wanderer, Radfahrer und neugieriger Entdecker von Kulturgütern wie der Burg Oberkapfenberg oder der Rettenwandhöhle.
Sein Ziel ist es, Besuchern und Einheimischen gleichermaßen praktische und ehrliche Informationen zu geben: welche Wege sich lohnen, was die Region besonders macht und wie man das Mürztal abseits der ausgetretenen Pfade erleben kann.
