Burg Oberkapfenberg im August: was jetzt offen ist und wie man den Besuch richtig legt
Von unten sieht die Sache einfach aus. Die Burg steht auf ihrem Hügel über der Stadt, man sieht sie von der Autobahn, von der Bahn und von halb Kapfenberg aus, und man denkt sich, da fahren wir am Sonntag einmal hinauf. Dann fährt man tatsächlich hinauf, kommt um Viertel nach zwölf an, und stellt fest, dass die Flugschau um elf gerade vorbei ist und die nächste erst um drei beginnt. Drei Stunden, die man nicht eingeplant hat.
Die Burg Oberkapfenberg ist im August komplett in Betrieb, aber sie läuft nach einem Takt, den man kennen sollte, bevor man losfährt.
Was ist gerade geöffnet?
Die Öffnungszeiten der Burg Oberkapfenberg sind im August zweigeteilt, und das ist der ganze Punkt. Der Burgrundgang mit der Ausstellung ist täglich von 10:00 bis 17:00 Uhr zugänglich, und zwar von Anfang Februar bis 23. Dezember, im Jänner ist Betriebsurlaub. Die Greifvogelschau der Burgfalknerei fliegt von Anfang April bis Ende Oktober, von Mittwoch bis Sonntag, jeweils um 11:00 und um 15:00 Uhr. Am Donnerstag gibt es an Stelle der Flugschauen zeitweise Führungen in der Falknerei, das steht jeweils im Burgkalender.
Montag und Dienstag ist die Burg selbst also offen, die Vögel fliegen aber nicht. Das ist der häufigste Grund für enttäuschte Gesichter am Parkplatz, und er lässt sich mit einem Blick auf den Wochentag vollständig vermeiden.
Dazu kommt die Burgkulinarik Kranawetter im Haus, die von Mai bis Ende September täglich ab 10:00 Uhr aufsperrt. Man kann also oben essen und muss nicht planen, rechtzeitig wieder unten zu sein.
Was kostet der Eintritt?
Der Burgrundgang mit Ausstellung kostet 9 Euro für Erwachsene und 8 Euro für Pensionisten, Schüler, Lehrlinge, Studenten sowie Präsenz- und Zivildiener. Kinder von 6 bis 15 Jahren zahlen 6 Euro, Kleinkinder gar nichts. Eine Familie mit einem Erwachsenen zahlt 15 Euro, mit zwei Erwachsenen 24 Euro. Mit der Steiermark-Card ist der Eintritt inkludiert.
Für Gruppen gibt es eigene Sätze, dort kostet die Burgführung 7 Euro und die Greifvogelschau 7,50 Euro pro Person, das Kombiticket 13 Euro. Ab zwanzig zahlenden Gästen ist eine Person frei. Hunde dürfen übrigens mit, auf der gesamten Burg.
Warum wir die Vorstellung um 15:00 Uhr nehmen würden

Die Burgterrasse hat ungewöhnlich gute Wind- und Thermikverhältnisse, und das ist der ganze Unterschied zwischen einer netten Vorführung und dem, was hier tatsächlich passiert. Adler, Geier und Kondor fliegen frei über die Köpfe der Zuschauer hinweg, teilweise mehrere Vögel gleichzeitig, was man in dieser Form europaweit kaum ein zweites Mal findet.
Am späten Vormittag trägt die Luft noch nicht so gut wie am Nachmittag, wenn sich der Hang aufgeheizt hat. Wer also die Wahl hat, geht um drei. Bei Schlechtwetter fällt die Sache nicht aus, dann bietet die Falknerei ein Ersatzprogramm an, was in einem August mit Nachmittagsgewittern kein unwichtiges Detail ist.
Was gibt es außer den Vögeln zu sehen?
Die Ausstellung heißt Grenzgänge, eine Zeitreise mit Kreuzrittern und Alchemisten, und sie steckt moderne Technik hinter Mauern, die zum Teil aus dem 13. Jahrhundert stammen. Für Kinder gibt es einen eigenen Teil mit Kreuzfahrerzelt und Alchemistenlabor, in dem alles angegriffen werden darf, was oben auf einer Burg selten genug vorkommt.
Die Geschichte selbst liest sich schnell und erklärt die Anlage besser als jeder Rundgang. 1173 taucht eine Burg unter dem Namen Chaffenberch erstmals in einer Urkunde auf, 1268 bauen die Herren von Stubenberg am heutigen Standort, 1550 wird das Ganze zur Renaissancefestung ausgebaut, und 1740 zieht die Herrschaft ins neu errichtete Schloss Wieden hinunter, womit der Verfall zur Ruine beginnt. Fast siebenhundert Jahre Betrieb, dann ein Umzug ins Tal, und der Rest ist Wiederaufbau.
Wer nach der Flugschau noch Luft hat, geht die zehn Minuten hinauf zur Lorettokapelle, oder nimmt den Wulfingweg, einen Panorama-Rundweg rund um den Burgberg.
Wie kommt man hinauf?
Mit dem Auto führt eine ausgebaute Straße bis zum Parkplatz direkt vor der Burg, die sogar für Busse befahrbar ist. Das ist der bequemste Weg und für Familien mit kleinen Kindern praktisch der einzige sinnvolle.
Zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln sieht es anders aus. Vom Bahnhof Kapfenberg sind es rund 2,1 Kilometer Fußweg, von der Bushaltestelle Koloman-Wallisch-Platz beziehungsweise Lindenplatz noch etwa 1,7 Kilometer, und zwar bergauf. Das ist bei dreißig Grad im August kein Spaziergang, sondern eine kleine Wanderung, für die man Wasser mitnehmen und eine Dreiviertelstunde einplanen sollte.
Und die Aussicht?
Die Burg sitzt auf einer Kuppe, die nach drei Seiten steil abfällt, weshalb der Blick praktisch rundum offen ist, hinaus ins Mürztal und über die Stadt. Für Fotos ist der späte Nachmittag deutlich besser als die Mittagszeit, weil das Licht dann von der Seite kommt und die Mauern nicht flach aussehen.
Ein Nebeneffekt der Höhenlage, den kaum jemand einplant: die Burg liegt hoch genug, um dem Streulicht des Stadtzentrums zu entkommen. In den Nächten bis etwa 24. August sind hier oben noch Perseiden zu sehen, wenn auch nicht mehr so viele wie in der Maximumsnacht am 12. August.
Lohnt sich die Burg auch bei Regen?
Ja, und zwar mehr, als die Frage vermuten lässt. Die Ausstellung liegt komplett im Inneren, die Burgkulinarik ebenfalls, und die Falknerei bietet bei Schlechtwetter ein Ersatzprogramm an Stelle der Flugschau an. Man sieht die Vögel dann aus der Nähe statt am Himmel, was für Kinder oft sogar der bessere Teil ist.
Was bei Nässe wirklich stört, ist der Weg. Der Fußaufstieg vom Tal wird rutschig und unangenehm, weshalb wir an solchen Tagen mit dem Auto bis zum Parkplatz vor der Burg fahren würden, ohne schlechtes Gewissen.
Wie wir einen August-Nachmittag hier planen würden
Hinauf gegen halb zwei, damit Zeit für die Ausstellung bleibt, ohne dass man durchhetzen muss. Um drei die Flugschau, danach etwas trinken auf der Terrasse, während sich die Gruppen verlaufen. Anschließend der kurze Weg zur Lorettokapelle oder eine Runde am Wulfingweg, und im letzten Licht hinunter.
Für zwei Erwachsene und zwei Kinder sind das 24 Euro Eintritt, ein Nachmittag von etwa vier Stunden und eine Anfahrt von zehn Minuten aus dem Stadtzentrum. Wer das mit einem beliebigen anderen Ausflugsziel in der Hochsteiermark vergleicht, wird schwer etwas finden, das in diesem Verhältnis besser dasteht.
Thomas Wagner schreibt über Tourismus, Freizeit und regionale Themen in der Steiermark. Er kennt Kapfenberg und die umliegende Region seit vielen Jahren aus eigener Erfahrung — als Wanderer, Radfahrer und neugieriger Entdecker von Kulturgütern wie der Burg Oberkapfenberg oder der Rettenwandhöhle.
Sein Ziel ist es, Besuchern und Einheimischen gleichermaßen praktische und ehrliche Informationen zu geben: welche Wege sich lohnen, was die Region besonders macht und wie man das Mürztal abseits der ausgetretenen Pfade erleben kann.
