Wandern Steiermark: die besten Routen von leicht bis anspruchsvoll

Wandern Steiermark: die besten Routen, echte Geheimtipps und alles was man vorher wissen sollte

Die Steiermark hat über 16.000 Kilometer markierte Wanderwege. Das ist mehr als jedes Bundesland in Österreich. Das Problem: Die meisten Listen zeigen immer dieselben zehn Routen. Wir zeigen was dahintersteckt, welche Wege sich wirklich lohnen, und warum ein Gipfel in der Hochsteiermark zu den besten Wanderzielen des ganzen Bundeslandes gehört.

Wer zum ersten Mal in der Steiermark wandert, ist oft überrascht, wie groß die Bandbreite ist. Im Norden Gletscher und Hochalpines, in der Mitte dichte Wälder und Almen, im Süden Weinberge und sanfte Hügel. Man kann eine Woche hier wandern und jeden Tag in einer komplett anderen Landschaft aufwachen.

Wir haben verschiedene Regionen begangen: Hochsteiermark, Ausseerland, Schladminger Tauern. Was dabei deutlich wird: Die Qualität liegt oft nicht an der Länge oder Schwierigkeit, sondern an der Dichte der Eindrücke pro Stunde. Und daran, ob oben eine Einkehr wartet oder nicht.

Wanderwege Steiermark: Überblick nach Schwierigkeit

Route / Gebiet Region Länge Hm Schwierigkeit
Schlossberg Graz Graz 2 km 80 Hm Leicht
Grüner See Tragöß Hochsteiermark 4 km 120 Hm Leicht
Mariazeller Weg (Abschnitt) Hochsteiermark variabel variabel Leicht–Mittel
Dachstein-Gipfelrunde Nordsteiermark 12 km 600 Hm Mittel
Rennfeld ab Kapfenberg Hochsteiermark 8,3 km 972 Hm Mittel
Schladminger Tauern HW Schladming 60 km (mehrt.) 3.000+ Hm Schwer
Nordalpenweg 01 Nordsteiermark 281 km kumuliert Schwer
Vom Gletscher zum Wein Ganz Steiermark 370–524 km kumuliert Mehrtägig

Die besten Wanderrouten im Detail

🌿 Leicht

Grüner See Tragöß: der See, der im Sommer verschwindet

Region: Hochsteiermark, Tragöß-Sankt Katharein Länge: ca. 4 km Höhenunterschied: ~120 Hm Beste Zeit: Mai bis Mitte Juni

Der Grüne See ist im Frühling ein Naturphänomen, das man gesehen haben muss: Schmelzwasser füllt eine natürliche Mulde, und was im Winter eine Almwiese ist, liegt plötzlich unter zwei bis drei Metern kristallklarem, grünlich schimmerndem Wasser. Bänke, Wege, Sträucher, alles überflutete. Das Licht bricht sich darin auf eine Art, die man nicht wirklich fotografieren kann.

Ab Juli trocknet der See wieder aus. Wer im August kommt und sich über eine gewöhnliche Wiese wundert, hat schlicht den falschen Monat erwischt.

Tipp: Frühstart lohnt sich doppelt. Erstens kommt man vor den Tagesgästen, zweitens ist das Morgenlicht am Wasser besonders. Der Parkplatz bei Tragöß füllt sich im Mai-Wochenende schnell.
⛰ Mittel

Dachstein-Gipfelrunde: Steiermarks höchster Punkt auf 2.995 m

Region: Nordsteiermark, Ramsau am Dachstein Länge: ab Seilbahnstation ca. 12 km Höhenunterschied: ab Bergstation 600 Hm Beste Zeit: Juli bis September

Der Dachstein ist mit 2.995 Metern der höchste Punkt der Steiermark. Die Seilbahn bringt einen bis auf knapp 2.700 Meter, von dort beginnt die eigentliche Wanderung zur Gipfelregion. Der Skywalk am Gipfelplateau, eine Glasplattform über dem Abgrund, ist nichts für schwache Nerven. Das Panorama ist es in jedem Fall.

Was viele nicht wissen: Der Dachstein bildet die Grenze zwischen Steiermark und Oberösterreich. Man steht also buchstäblich auf der Landesgrenze. Zur Route gehört auch die Möglichkeit, das Gassl-Klettersteig zu gehen, wenn man entsprechend ausgerüstet ist.

🐕 Hundefreundlich

Schladminger Tauern: Almseen, Hütten, kaum Verbotsschilder

Region: Schladming-Dachstein Länge: 60 km (mehrtägig) oder Tagesetappen Beste Zeit: Juni bis September

Die Schladminger Tauern gehören zu den wanderfreundlichsten Gebieten der gesamten Alpen. Nicht wegen der technischen Schwierigkeit, die ist überschaubar, sondern wegen der Dichte an Almseen, Schutzhütten und Bergwiesen auf relativ engem Raum. Wer mit Hund kommt, findet hier mehr Platz und weniger Restriktionen als in vielen anderen Regionen.

Der Duisitzkarsee bei Schladming, auf knapp 1.800 Metern, ist einer der fotogensten Gebirgsseen der Steiermark. Man erreicht ihn in zwei bis drei Stunden Aufstieg, und oben wartet die Fischerhütte.

👨‍👩‍👧 Mit Kindern

Mariazeller Weg: Wallfahrt als Wanderung, abschnittsweise

Region: Hochsteiermark Gesamtlänge: 235,5 km (Eibiswald bis Mariazell) Einzeletappen: 10–20 km, beliebig wählbar Beste Zeit: Frühling bis Herbst

Den Mariazeller Weg muss man nicht komplett gehen. Die 235 Kilometer von Eibiswald nach Mariazell sind in Etappen unterteilt, und die familienfreundlichen Abschnitte in der Südsteiermark und durch das Mürztal sind auch für Kinder gut machbar. Die Beschilderung ist ausgezeichnet, fast jede Etappe endet in einer Ortschaft mit Gastro und Unterkunft.

Als Wanderweg hat er einen klaren Vorteil gegenüber reinen Gipfeltouren: Man kommt durch Dörfer, sieht wie die Menschen in der Steiermark leben, und kann nach Belieben kürzen oder verlängern.

🔎 Geheimtipp

Vom Gletscher zum Wein: eine Route, die alles zeigt

Region: Ganz Steiermark (Nord bis Süd) Länge: 370 km (Südroute) bis 524 km (Nordroute) Charakter: Fernwanderweg, mehrwöchig

Der Name sagt alles: Man startet am Dachstein-Gletscher und endet in den Weinbergen der Südsteiermark. Dazwischen: Naturparks, Thermenregionen, Wälder, Almen, Täler, Bergdörfer. Die Steiermark ist divers genug, um eine solche Route zu rechtfertigen, und sie ist auch gut genug markiert, um sie mit einem ordentlichen Wanderführer eigenständig zu gehen.

Für alle, die nicht drei Wochen Zeit haben: Die Route ist in logische Tagesabschnitte unterteilt. Man kann jeden Abschnitt separat als Tageswanderung gehen und per Bahn zurückfahren.

Wann wandern in der Steiermark? Die ehrliche Saisonübersicht

Wandersaison Steiermark: welche Route wann funktioniert

Einschätzung nach Erreichbarkeit, Schneelage und Erlebnisqualität

Frühling
Sommer
Herbst
Winter
Grüner See
Top
–
–
–
Mariazeller Weg
Gut
Top
Gut
–
Dachstein
Ok
Top
Gut
–
Schladminger Tauern
Ok
Top
Gut
–
Rennfeld Kapfenberg
Gut
Top
Top
Nur Profi
Weinstraße Süd
Gut
Ok
Top
Ok

Grüner See: nur im Frühling gefüllt. Hochalpine Routen: erst ab Juni schneefrei. Herbst im Mürztal: ruhigste und oft schönste Zeit.

Wandern mit Kindern in der Steiermark

Die häufigste Frage vor einer Familienwanderung ist nicht: Wie schön ist es? Sondern: Halten die Kinder durch? Und: Was passiert, wenn nicht?

Unsere ehrliche Einschätzung nach eigener Erfahrung in der Region:

  • Grüner See im Mai: leicht, kurz, spektakulär. Kinder jeder Altersgruppe geeignet. Keine Einkehr direkt am See, Proviant mitnehmen.
  • Mariazeller Weg (flache Abschnitte): gut für Kinder ab 6 Jahren. Immer Ortschaften in der Nähe, keine Abgeschnittenheit.
  • Rennfeld ab Kapfenberg: geeignet für trittsichere Kinder ab 10–12 Jahren. Der Götterquergang braucht Konzentration. Oben wartet das Schutzhaus mit Verpflegung.
  • Schladminger Almseen-Runde: flache Varianten bis zu den Seen machbar. Kinder, die Wasser sehen wollen, sind hier glücklich.
Genereller Tipp für Wandern mit Kindern: In der Steiermark gibt es kaum eine Mittelgebirgsroute ohne Einkehrmöglichkeit. Wenn man nicht sicher ist, ob die Kinder durchhalten, wählt man eine Route mit Schutzhütte als Ziel statt eines Gipfels. Der Weg dorthin ist genauso gut.

Wandern mit Hund: was in der Steiermark erlaubt ist

Die Steiermark ist generell hundefreundlicher als viele andere Wanderregionen. Naturschutzgebiete haben eigene Regeln, aber auf dem überwiegenden Teil der markierten Wanderwege gilt: Hund an der Leine, alles in Ordnung.

Besonders geeignet für Hunde: Die Schladminger Tauern, wo viel Platz und kaum Verbotsschilder sind. Das Mürztal und die Hochsteiermark inklusive Rennfeld-Route, wo Almgelände und Waldwege dominieren. Weniger ideal: Enge Klettersteige und die Gipfelbereiche mit starkem Touristenbetrieb.

Geheimtipps: Wandern abseits der Listen

Steiermark nach Wandertyp: Was wo auf einen wartet

Von Gletschern bis Weinbergen, alles liegt nah beieinander

Hochalpin (Gletscher, 2.000+ m) Mittelgebirge (800–1.600 m) Klammwanderung (Schluchten) Alm- und Seenwanderung Weinberg / Südsteiermark Dachstein, Via Alpina Rennfeld, Zirbitzkogel Gesäuse, Salza Schladming, Tragöß Weinstraße, Gamlitz Angebotsdichte in der Steiermark (schematisch)

Mittelgebirge hat die größte Angebotsbreite: gut markiert, hüttennah, für alle Niveaus. Rennfeld liegt genau hier.

Was keine Liste zeigt: die Klamm-Wanderungen in der Steiermark. Das Gesäuse ist als Nationalpark bekannt, aber die Salza-Schlucht weiter östlich ist kaum frequentiert. Schmale Pfade, türkisfarbenes Wasser, kein Touristenbetrieb. Man geht dort an einem Wochentag im September und trifft vielleicht drei andere Wanderer.

Und dann ist da die Hochsteiermark rund um Kapfenberg, ein Gebiet, das in keiner internationalen Wanderliste auftaucht, aber mit dem Rennfeld einen Gipfel hat, der sich mit den bekannten Namen der Steiermark nicht zu verstecken braucht. Fast keine Konkurrenz auf dem Weg, Hütte am Gipfel, Panorama ohne Einschränkung.

Fazit: Wandern in der Steiermark, aber richtig

16.000 Kilometer markierte Wege klingen nach Überforderung. Sind sie nicht. Die Steiermark ist gut strukturiert, gut markiert, und die meisten Routen lassen sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln kombinieren. Man braucht kein Auto, um hier ernsthaft zu wandern.

Wer zum ersten Mal kommt: Grüner See im Frühling oder Rennfeld im Herbst. Beides sind Routen, die man nicht bereut. Wer wiederkommt: Schladminger Tauern oder Klamm-Wanderung an der Salza. Beides sind Orte, die kaum jemand kennt und die dafür umso stärker in Erinnerung bleiben.

Quellen: Steiermark Tourismus (steiermark.com/wandern), Wanderdörfer Steiermark (wanderdoerfer.at), Österreichischer Alpenverein (Weitwanderwege-Daten). Streckendaten gerundet, aktuelle Wegbedingungen vor der Tour prüfen.

Letzte Aktualisierung: Oktober 2025 | kapfenberg-tourismus.at