Rettenwandhöhle Kapfenberg: nach der Modernisierung wieder geöffnet
An einem heißen Augusttag sucht man in Kapfenberg Schatten, und Schatten ist das, was man bekommt: dreiundzwanzig, vierundzwanzig Grad statt achtundzwanzig, ein Baum, ein Kaffee, und man schwitzt trotzdem weiter. Vier Kilometer außerhalb der Stadt gibt es eine Stelle, an der es unabhängig vom Wetter draußen konstant 8,5 Grad hat. Die Rettenwandhöhle führt nach umfangreichen Modernisierungsarbeiten seit Juli 2026 wieder Besucher hinein, und sie ist damit erstmals seit längerer Zeit wieder ein Ausflugsziel, das man tatsächlich einplanen kann.
Warum ein Höhlenbesuch anders vorbereitet werden muss als ein Ausflug
Die meisten fahren hin wie zu einer Sehenswürdigkeit. Kurze Hose, Sandalen oder Sneaker, Handy für Fotos, fertig. Dann stehen sie am Parkplatz, sehen den Weg hinauf, und spätestens im Berg selbst wird klar, dass beides eine schlechte Idee war.
Der Unterschied zwischen draußen und drinnen beträgt an einem Augusttag rund zwanzig Grad, und das nach etwa zwanzig Minuten Fußweg, auf dem man sich zuvor ordentlich aufgewärmt hat. Wer verschwitzt in die Höhle geht und dort dreiviertel Stunden lang steht und langsam geht, friert. Dazu kommt der naturbelassene Höhlenboden, der zusammen mit der Feuchtigkeit für genau die Art von Rutschigkeit sorgt, für die glatte Sohlen nicht gemacht sind. Also: feste Schuhe und eine warme Jacke, auch wenn beides im Auto absurd aussieht, während draußen die Hitze flimmert.
Wann finden Führungen statt?
Die Öffnungszeiten sind schnell erklärt, halten aber eine Überraschung bereit. Die Führungen laufen bis einschließlich 13. September 2026, und zwar an Sonn- und Feiertagen von 9:00 bis 16:00 Uhr zu jeder vollen Stunde. Anmelden muss man sich dafür nicht, man kommt einfach zur passenden Zeit hinauf.
Hat die Rettenwandhöhle am Feiertag geöffnet?

Ja, und das ist der Punkt, an dem sich diese Höhle von den meisten Ausflugszielen der Region unterscheidet. Geführt wird nämlich nicht am Wochenende allgemein, sondern an Sonn- und Feiertagen. Fällt ein Feiertag auf einen Samstag, wie heuer Mariä Himmelfahrt am 15. August, dann hat dieses eine Wochenende zwei Führungstage statt einem. Umgekehrt heißt es aber auch, dass ein normaler Samstag ohne Feiertag kein Führungstag ist, was am Parkplatz regelmäßig für Enttäuschung sorgt.
Rufen Sie zur Sicherheit trotzdem kurz an, bevor Sie an einem Feiertag hinauffahren.
Gruppen ab zehn Personen können auch außerhalb dieser Zeiten Führungen buchen.
Was kostet der Eintritt?
Erwachsene zahlen 8 Euro, Kinder 6 Euro. Bei gesonderten Gruppenführungen liegen die Sätze bei 6 Euro für Erwachsene und 5 Euro für Kinder.
Für eine geführte Dreiviertelstunde unter Tage ist das wenig, und es ist auch deshalb wenig, weil die Höhle von einem Verein betrieben wird und nicht von einem Freizeitkonzern. Die Führung übernimmt ein geschulter Höhlenführer, was man daran merkt, dass die Erklärungen nicht auswendig heruntergesprochen klingen.
Was sieht man da drinnen?
Nach dem Tor gelangt man zunächst in eine größere Halle, dann geht es durch den Niederen Gang tiefer in den Berg. In einem Seitengang steht ein aus Gips geformter Bär, der daran erinnern soll, dass sich hier tatsächlich einmal Höhlenbären aufgehalten haben. Schon hier sind die ersten Sinterbildungen zu sehen, Perlsinter, Sinterfahnen und Deckenzapfen.
Über eine Steintreppe und vorbei an der Qualle kommt man in den Großen Dom, der nicht umsonst so heißt, weil er an eine gotische Kathedrale erinnert, mit mächtigen Stalaktiten und Stalagmiten, dem Glockenspiel und dem Gotischen Chor. Weiter abwärts führt der Weg unter Sinterbrücken und dem Auerhahn hindurch zur Geborsteten Säule.
Der Abschnitt danach ist der an Tropfsteinen reichste der ganzen Höhle, dazu Perlsinter, Knötchen- und Knöpfchensinter, und hier steht auch der Luster, das größte und schönste Gebilde der Rettenwandhöhle. Am Ende des Führungsweges liegt die Versturzhalle mit dem Steinernen See. Auf dem Rückweg kommt man an einem kleinen Höhlenmuseum vorbei, in dem Fundstücke ausgestellt sind.
Die Zahl, die kaum jemand kennt
Die Höhle wurde 1918 zum ersten Mal erwähnt und 1923 erstmals erforscht. Bis zur Eröffnung für Besucher mussten Höhlenlehm und Schutt in jahrelanger Arbeit hinausgeschafft werden, und fertig war das erst 1926.
Das heißt: die Rettenwandhöhle ist heuer hundert Jahre als Schauhöhle in Betrieb, und sie feiert dieses Jubiläum ausgerechnet in dem Jahr, in dem sie nach der Modernisierung wieder aufsperrt.
Im Eingangsbereich fand man außerdem Knochen, Scherben und Bronzenadeln, die ältesten Funde reichen in die Steinzeit zurück und werden auf etwa 2.600 vor Christus datiert. Die frühesten Bewohner des Raumes Kapfenberg haben also hier gewohnt, und aus der Sammlung dieser Funde entstand in den 1920er Jahren das Höhlenmuseum, aus dem später das Stadtmuseum Kapfenberg hervorgegangen ist. Eine kleine Höhle an der B20, aus der ein Stadtmuseum wird, das gibt es nicht überall.
Wie kommt man hin?
Die Anfahrt ist unkompliziert. Die Höhle liegt etwa vier Kilometer außerhalb von Kapfenberg an der B20 in Richtung Mariazell. Geparkt wird beim PEWAG-Werk an der Bundesstraße, von dort geht es zu Fuß weiter, und man rechnet mit rund zwanzig Minuten bis zum Höhleneingang.
Der Weg hinauf ist bei Nässe rutschig, also gilt die Schuhregel schon vor der Höhle. Mit dem Auto sind es aus dem Zentrum von Kapfenberg etwa eine Viertelstunde, was die Höhle zum vermutlich nächstgelegenen Ort in der Region macht, an dem man an einem Hitzetag eine Jacke braucht.
Für wen ist das etwas?
Für Familien mit Kindern ab ungefähr fünf oder sechs Jahren funktioniert es gut, weil die Führung mit dreiviertel Stunden kurz genug ist und der Gipsbär, das Glockenspiel und der Steinerne See genug hergeben, um die Aufmerksamkeit zu halten. Für Kinderwagen ist der Zustieg nichts.
Für alle anderen ist es die beste Antwort auf zwei Wetterlagen gleichzeitig. Bei Hitze, weil es drinnen 8,5 Grad hat. Bei Regen, weil es drinnen ohnehin immer gleich ist. Wir würden es am Vormittag legen, gegen zehn oder elf, und danach unten im Tal weitermachen, wenn die Wärme wieder angenehm statt lästig wirkt.
Thomas Wagner schreibt über Tourismus, Freizeit und regionale Themen in der Steiermark. Er kennt Kapfenberg und die umliegende Region seit vielen Jahren aus eigener Erfahrung — als Wanderer, Radfahrer und neugieriger Entdecker von Kulturgütern wie der Burg Oberkapfenberg oder der Rettenwandhöhle.
Sein Ziel ist es, Besuchern und Einheimischen gleichermaßen praktische und ehrliche Informationen zu geben: welche Wege sich lohnen, was die Region besonders macht und wie man das Mürztal abseits der ausgetretenen Pfade erleben kann.
