Rettenwandhöhle Kapfenberg: Öffnungszeiten, Anfahrt und was Sie unter Tage erwartet

Die Rettenwandhöhle bei Kapfenberg ist seit dem 12. Juli 2026 wieder für Besucher geöffnet. Zwei Jahre lang war sie gesperrt, weil der frühere Zugang — ein schmaler Waldweg — weder den Sicherheitsanforderungen entsprach noch im Notfall befahrbar war. Jetzt gibt es einen neuen Zugangsweg, sechs Höhlenführer und eine Saison, die am 13. September 2026 endet.

Diese letzte Zahl ist der wichtigste Satz dieses Textes. Führungen finden an Sonn- und Feiertagen statt, und die Saison läuft nur noch bis Mitte September.

Öffnungszeiten und Preise

FührungenSonn- und Feiertage, 9:00 bis 16:00 Uhr
Taktzu jeder vollen Stunde
Saisonende 2026einschließlich 13. September
Voranmeldungfür die Sonntagsführungen nicht nötig
Gruppenab 10 Personen auch außerhalb dieser Zeiten buchbar
Dauer der Führungrund 45 Minuten
Temperatur unter Tagekonstant etwa 8,5 Grad

Die aktuellen Eintrittspreise stehen auf rettenwandhoehle.at. Wir geben sie hier bewusst nicht wieder, weil die Höhle nach der Modernisierung neu kalkuliert hat und ältere Preisangaben im Netz kursieren, die nicht mehr stimmen.

Anfahrt

Die Höhle liegt rund vier Kilometer außerhalb der Stadt an der B20 Richtung Mariazell, im Stadtteil Einöd, in der Nähe des Bauernhofs Mariazellerstraße 135.

Mit dem Auto: Sie verlassen die Bundesstraße beim PEWAG-Werk und parken dort. Vom Parkplatz erreichen Sie den Höhleneingang zu Fuß in etwa 20 Minuten.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Seit Juni 2024 hat die Haltestelle beim PEWAG-Parkplatz den Namen „Rettenwandhöhle“. Sie wird von den Regionalbuslinien zwischen Kapfenberg, Aflenz, Turnau und Mariazell angefahren. Zurückgeht auf eine Anregung von Michael Lebernegg, dem Obmann des Vereins für Höhlenkunde Kapfenberg.

Der Fußweg führt zunächst am Talrand entlang und steigt dann in Serpentinen durch dichten Wald bis zum Fuß einer steilen Kalkwand — der Rettenwand, nach der die Höhle benannt ist. Der Eingang ist ein Portal von etwa zwei Metern Höhe und Breite.

Was Sie mitbringen müssen

Zwei Punkte sind keine Empfehlung, sondern Voraussetzung.

Festes Schuhwerk mit griffiger Sohle. Der Weg hinauf ist rutschig, und der Höhlenboden ist natürlich belassen. Sandalen und glatte Sohlen funktionieren hier nicht.

Warme Kleidung. Unter Tage herrschen ganzjährig rund 8,5 Grad. Im Juli und August unterschätzen das die meisten Besucher; eine Jacke gehört auch bei 28 Grad Außentemperatur mit.

Der Aufstieg und der schmale Weg machen den Zugang etwas anspruchsvoll. Das hat einen praktischen Nebeneffekt: Wer mit dem Weg Probleme hat, wird sie auch in der Höhle haben. Für sehr kleine Kinder, für Menschen mit eingeschränkter Gehfähigkeit und für Besucher mit Kinderwagen ist die Rettenwandhöhle nicht das richtige Ziel.

Was Sie unter Tage sehen

Das Naturdenkmal ist elektrisch beleuchtet und hat einen ausgebauten Besucherweg. Die Besichtigung erfolgt immer mit einem geschulten Höhlenführer, nie auf eigene Faust.

Der Weg führt durch den „Großen Dom“ mit seinem „Glockenspiel“, vorbei an Perlsinter und Tropfsteinen. Zwei Formationen haben eigene Namen: der „Auerhahn“ und der „Luster“, das größte Gebilde im Berg. Am Ende des Führungswegs liegt die „Versturzhalle“ mit dem „Steinernen See“. Auf dem Rückweg kommen Sie an einem kleinen Höhlenmuseum vorbei, in dem Fundstücke ausgestellt sind.

Besonders reich ist der Bestand an Sinterformen: Stalaktiten und Stalagmiten, Sinterfahnen, Perlsinter, Knötchen- und Knöpfchensinter. Wer schon andere steirische Schauhöhlen gesehen hat, wird vor allem die Dichte an feinen Formen bemerken.

Die Geschichte in Zahlen

Die Rettenwandhöhle wurde 1918 erstmals erwähnt. 1923 begann die erste Erforschung, und von da an mussten Höhlenlehm und Schutt in mühsamer Arbeit herausgeschafft werden, bis 1926 für Besucher eröffnet werden konnte.

Das heißt: 2026 sind es hundert Jahre Führungen in der Rettenwandhöhle. Michael Lebernegg hat ein Fest dazu angekündigt, der Termin stand zuletzt noch nicht fest.

Archäologisch ist der Eingangsbereich die interessanteste Zone. Dort wurden Knochen, Tonscherben und Bronzenadeln gefunden; die ältesten Funde stammen aus der Steinzeit. Die Angaben zur Datierung der Bronzenadeln gehen in den Quellen auseinander — je nach Darstellung werden sie um 2.600 v. Chr. oder um 600 v. Chr. eingeordnet. Wer es genau wissen will, fragt am besten beim Führer nach; das Höhlenmuseum am Rückweg zeigt die Stücke.

Sicher ist der Kern der Sache: Die frühesten Spuren menschlicher Anwesenheit im Raum Kapfenberg stammen aus dieser Höhle. Die ersten „Kapfenberger“ haben hier gewohnt.

Jahr
1918erste Erwähnung
1923erste Erforschung, Beginn der Erschließung
1926Eröffnung für Besucher
2024eigene Bushaltestelle „Rettenwandhöhle“
2024–2026zwei Jahre gesperrt, Bau des neuen Zugangswegs
12. Juli 2026Wiedereröffnung

Was die Wiedereröffnung für Kapfenberg bedeutet

Für Lebernegg war der neue Zugangsweg mehr als ein Bauprojekt. Die größte Hürde war die Finanzierung, und dass sie zustande kam, liegt an mehreren Jahren Hartnäckigkeit. Für Kapfenberg heißt das: Ein Ausflugsziel, das zwei Jahre aus dem Angebot gefallen war, ist zurück — und zwar eines, das bei Schlechtwetter funktioniert.

Genau das ist der praktische Wert. Wenn im Mürztal der Regen einsetzt und Burg, Radroute und Keltenweg ausfallen, bleiben nicht viele Alternativen. Eine Tropfsteinhöhle unter der Rettenwand interessiert das Wetter nicht.

Kombinationen für einen ganzen Tag

Die Führung dauert 45 Minuten, dazu kommen zweimal 20 Minuten Fußweg und die Anfahrt. Ein halber Vormittag ist damit gefüllt, der Rest des Tages bleibt offen.

  • Unter Tage und Burg. Vormittags die Führung, nachmittags die Burg Oberkapfenberg mit Greifvogelschau auf der Burgterrasse. Die Burg liegt oberhalb der Altstadt, zu Fuß rund 20 Minuten vom Bahnhof.
  • Führung und Keltenweg. Der Keltenweg führt durch archäologisch interessantes Gelände rund um die Stadt und ist in zwei bis drei Stunden zu gehen. Thematisch passt er gut zu den Funden im Höhlenmuseum.
  • Vormittag unter Tage, Nachmittag am Rad. Die Route verbindet Kapfenberg mit Bruck an der Mur und Mürzzuschlag, fast durchgehend flach und asphaltiert.
  • Kalt und warm. Klingt widersprüchlich, funktioniert aber: Das Erlebnisbecken im städtischen Freibad ist auf 32 Grad beheizt. Nach 8,5 Grad unter Tage ist das die logische zweite Hälfte des Tages.

Kontakt

Verein für Höhlenkunde Kapfenberg, Michael Lebernegg, Mariazellerstraße 143, 8605 Kapfenberg. Telefon +43 676 77 177 66 oder +43 664 750 179 10. Alle weiteren Informationen stehen auf rettenwandhoehle.at.

Wenn Sie heuer noch hinwollen: Es sind nur noch die Sonntage bis zum 13. September.